Testbericht Hillbury Multifunktionskappzaum

(unbezahlte Werbung)

Mir geht mal wieder meine Sammlung an Kopfstücken etwas auf den Keks:

  • Trense
  • Sidepull
  • Kalifornische Hackamore (Bosal)
  • Kappzaum
  • Gebiss-Hänger für Kappzaum (habe ich separat)
  • Halfter
  • Kandarenzaum

Ok, letzteres hängt als Deko bei mir zuhause an der Wand ^^ alles andere habe ich jedoch regelmäßig in Gebrauch. Aufgrund dessen, dass Twister in einem privaten Offenstall steht, dessen „Räumlichkeiten“ sich über mehrere Grundstücke erstrecken, schleppe ich das ein oder andere Equipmentteil öfter mal mit mir herum. Von den eben aufgezählten sieben Kopfstücken lassen sich außer Bosal und Kandare alle in einem Multifunktionskappzaum abbilden. Sehr interessant!
Da ich mit dem Testergebnis des Equizaums leider nicht zufrieden war, starte ich nun einen zweiten Versuch mit dem Modell von Hillbury.
Wieder gilt: Dieser Bericht spiegelt meine ganz persönliche Meinung wieder. Nur weil ich bestimmte Punkte gut oder nicht gut finde, heißt das nicht, dass das grundsätzlich immer der Fall ist. Wenn ihr überlegt, euch einen solchen Zaum anzuschaffen, solltet ihr ihn am besten selbst ausprobieren. Um diesen Test vergleichbar zu meiner Bewertung des Equizaums zu machen, werde ich dieselben fünf Kriterien bewerten, jedoch erstmal ausschließlich auf den Zaum von Hillbury eingehen. Einen detaillierten Vergleich zum Equizaum findet ihr am Ende des Beitrages.

Vorab-Fazit: Ich werde diesen Zaum für Twister anschaffen.

Allgemeines
(Bewertung: 4,5 von 5)

Der Test-Zaum war in der Größe „Vollblut“ gefertigt und ohne Naseneisen ausgestattet. Die Passform und Verarbeitung war absolut hervorragend. Das Material fühlte sich vom ersten Moment extrem hochwertig und angenehm an. Nasen- und Genickstück waren weich, aber nicht zu dick gepolstert. Außerdem stach mir das anatomisch geformte Genickstück positiv ins Auge. Im Online-Shop des Herstellers www.hillbury.de kann man den Zaum in jeweils drei Lederfarben, zwei Beschlagsfarben und drei Größen individuell zusammen stellen. Unter anderen Bezeichnungen gibt es den Zaum zusätzlich in zwei Ausführungen mit zwei Lederfarben gleichzeitig und auch eine Ausführung mit Barock-Beschlägen. Eine Maßtabelle für die korrekte Auswahl der Größe ist vorhanden, sodass es bei der Passform keine grundsätzlichen Probleme geben sollte. Aktuell gibt es keine Größe für Kaltblüter, diese soll jedoch 2022 auf den Markt kommen. Etwas unglücklich finde ich die Darstellung der Lederfarben, da sie an unterschiedlichen Pferden fotografiert wurden und man somit die Farben (besonders die beiden Brauntöne) nicht richtig miteinander vergleichen kann. Besser fände ich, wenn das Fotomodel immer dieselbe Fellfarbe hätte. Der Preis beginnt bei 179€ und kann je nach Größe um 10€ steigen. Besonders positiv finde ich das Angebot, dass man für 10 Tage einen Test-Zaum bestellen kann, um sich vor dem endgültigen Kauf ein gutes Bild machen zu können.


Funktion 1 – Reiten mit Gebiss
(Bewertung: 5 von 5)

Hier sehe ich an Twisters Reaktion auf diesen Zaum absolut keinen Unterschied zu anderen Kopfstücken, denn entscheidend ist das Gebiss, das im Maul des Pferdes liegt. Durch die Verstellmöglichkeiten des Zaums ist es kein Problem, das Gebiss in die richtige Position zu bringen.
Meine vorherigen Bedenken, dass die Gebissringe eventuell am Nasenteil bzw. den dort vernähten Sidepull-Ringen hängen bleiben und man nicht mehr weich aufs Pferdemaul einwirken kann, wurden schnell zerschlagen. Das Nasenteil inkl. der unter dem Backenstück angebrachten Sidepull-Ringe ist so flach wie jeder normale Nasenriemen eines kombinierten Reithalfters.
Einen Sperrriemen kann man übrigens nicht anbringen. Wozu auch?! 😉


Funktion 2 – Reiten ohne Gebiss, Sidepull
(Bewertung: 5 von 5)

Twister ist ein Pferd, was sich seit vielen Jahren sehr gut gebisslos reiten lässt. Ob Bosal, Sidepull oder LG-Zaum – nie hatte ich bisher ernsthafte Probleme. So auch diesmal! Da ich mit unserem alten Sidepull ausschließlich im Gelände unterwegs bin, führte ich den Test dort durch – unter erschwerten Bedingungen. Wir waren nämlich mit einer Gruppe fremder Pferde und ihrer Reiter in fremder Umgebung unterwegs – in allen Gangarten! Twister ließ sich wie gewohnt im Schritt, Trab und Galopp gut händeln. Bremse und Lenkung funktionierten einwandfrei ohne erkennbaren Unterscheid zum alten Sidepull. Auch wenn er manchmal an die Spitze der Gruppe drängeln wollte, konnte ich ihn bestens zurück halten.
Gymnastizierende Arbeit mache ich mit dem Sidepull grundsätzlich nicht, deswegen kann ich das hier nicht bewerten. Für uns ist dafür das Bosal besser geeignet.


Funktion 3 – Kappzaum, Longieren an einfacher Longe
(Bewertung: 4 von 5)

Hier stellte sich schnell heraus, dass das Nasenteil des Zaums ein Loch enger verschnallt werden muss, um die nötige Stabilität zu erhalten. Ich konnte statt zwei jetzt nur noch einen Finger drunter schieben, aber Twister war trotzdem fähig, zu kauen und zu lecken. Somit war das für mich in Ordnung. Beim Longieren am mittleren der vernähten Ringe reagierte Twister präzise und weich auf meine Hilfen. Auch beim Verkleinern und Vergrößern des Zirkels im Galopp verrutschte der Zaum nur minimal zur Seite. Da keine Verstärkung im Leder vorhanden ist (= Naseneisen), finde ich das völlig okay. Der fest vernähte Ganaschenriemen hält die Backenstücke perfekt an ihrem Platz, sodass keine Gefahr besteht, dass etwas ins Auge rutscht.


Funktion 4 – Longieren mit Doppellonge
(Bewertung: 4 von 5)

Wie ihr bestimmt wisst, arbeite ich mit Twister wirklich gern gebisslos, vor allem weil er es super toll macht. Also wollte ich natürlich auch jetzt ohne Gebiss longieren. Jedoch musste ich feststellen, dass der Karabiner meiner Doppellonge nicht durch die Sidepull-Ringe des Zaums passt. Diesen Fakt kannte ich bereits aus meinem Test mit dem Equizaum und war deshalb nicht überrascht. Offenbar gibt es keine Doppellonge mit so kleinen Karabinern. Also boten sich wieder zwei Möglichkeiten: entweder befestige ich auf beiden Seiten einen zusätzlichen größeren Karabiner an den Sidepull-Ringen, durch den ich die Doppellonge ziehen kann, oder ich fädele die Longe von hinten durch. Wieder entschied ich mich für die zweite Lösung, da zusätzliche Karabiner die Einwirkung auf die Pferdenase schwammig werden lassen können.
Im Schritt und bei den ersten Trab-Tritten zeigte sich, dass die reguläre Verschnallung des Nasenriemens (Zwei-Finger-Regel) dazu führt, dass der Riemen nach oben rutscht und sich die Backenstücke lockern, was wiederum den Genickriemen nach hinten rutschen lässt. Also zog ich auch hier den Riemen – wie schon beim einfachen Longieren – ein Loch enger, sodass er zwar fester saß, Twister jedoch immer noch kauen und lecken konnte. Auf diese Art war die gebisslose Doppellongenarbeit auch im Galopp überhaupt kein Problem mehr. Alles blieb da, wo es hin gehörte.


Fazit
gesamt: 22,5 von 25

Ich bin ehrlich begeistert! Dass der Zaum bei uns so dermaßen gut abschneiden würde, habe ich nicht erwartet. Natürlich stand der endgültige Kauf recht schnell fest. Nun freue ich mich, dass ich Twisters Kopfstücke deutlich reduzieren kann und der Multifunktionskappzaum unser neuer (fast-)Alleskönner im Stall wird. Einzig die Kalifornische Hackamore ersetzt er nicht, aber damit kann ich gut leben. Wobei… einen Kinnriemen mit zwei Ringen zum Einschnallen von Zügeln, welche dann eine Bosal-ähnliche Wirkung aufs Pferd haben, gibt es zusätzlich zu kaufen. Laut Aussage von Hillbury kann damit die Wirkung eines Kolumbianischen Bosals erreicht werden, die nicht mit der Wirkung der Kalifornischen Hackamore gleichzusetzen ist. Das wäre also für uns etwas komplett Neues. Vielleicht teste ich das auch bald mal 😉

Mein Abschluss (wie immer): dieses Testergebnis gilt nicht grundsätzlich für alle Pferde. Jeder Mensch agiert anders, jedes Pferd reagiert anders. Meine klare Empfehlung: nutzt das Test-Angebot von Hillbury. Es lohnt sich!


Und weil sich so viele meiner Follower dafür interessieren:
zum direkten Vergleich zwischen Equizaum und Hillbury geht es
>> HIER <<

Professionals Choice 2x COOL ❄️ eine persönliche Mini-Studie

Gamaschen und Bandagen sind in der Reiterwelt immer wieder ein Gesprächsthema. Welches Equipment ist schöner, praktischer, sinnvoller? Diese Fragen werde ich hier nicht beantworten. Es geht mir um ein ganz spezielles Modell von Fesselkopfgamaschen, welches recht neu auf dem Markt und für Twister vielleicht interessant ist: die 2xCool Medicine Boots von Prof. Choice. Diese Trainingsgamaschen versprechen durch ein mineralhaltiges Textil eine geringere Wärmeentwicklung am Pferdebein, als herkömmliche Fesselkopfgamaschen. Dass Hitzestau im Bereich vom Röhrbein, wo empfindliche Sehnen relativ ungeschützt entlang laufen, schlecht für die Pferdegesundheit ist, ist bekannt. Aus diesem Grund hatte ich nach Twisters Sehnenschaden 2019 komplett auf jeglichen Beinschutz verzichtet.
Jetzt, wo er wieder voll reitbar ist und ich mit ihm vermehrt auch in fremdem Gelände unterwegs sein möchte, wird das Thema allerdings doch wieder interessant. In erster Linie geht es mir um einen guten Schutz vor äußeren Einflüssen, wodurch sich Twister unter Umständen verletzen könnte (z.B. unwegsames Gelände, Stöcke im Wald etc.), was es zu vermeiden gilt. Ich erwarte keine Stützfunktion des Pferdebeins und auch keine therapeutischen Effekte. Dafür gibt es andere Produkte, die für den jeweiligen Zweck hergestellt werden.

Hier mal eine Übersicht, mit welchen Gamaschen ich bereits Erfahrungen sammeln konnte:
(Alle Produkte habe ich selbst bezahlt. Hier ist nichts gesponsort.)

ICE Vibes by Horseware
Zweck: Therapie
Funktion: aktives Kühlen und Vibrieren
Material: Neopren/Elastan + Kühlpacks + Vibrationselemente

CeraTex Stallgamaschen
(ähnlich wie Back on Track)
Zweck: Therapie
Funktion: Wärmen durch Reflexion
Material: Keramikstoff inkl. Mineralien

StoneDeek Trainingsboots
Zweck: Training
Funktion: Stoßabsorption und Schutz vor äußeren Einflüssen
Material: Kautschuk

Prof. Choice 2xCool
Zweck: Training
Funktion: Stoßabsorption und Schutz vor äußeren Einflüssen
Material: spezielles Textil inkl. Mineralien

Im Detail möchte ich jetzt die Trainingsgamaschen von StoneDeek und die Prof. Choice 2xCool miteinander vergleichen und dabei gezielt auf die Temperaturentwicklung am Pferdebein eingehen. Zeitpunkt der kleinen Testreihe war Mitte November bei moderaten Außentemperaturen zwischen 6°C und 15°C. Insgesamt habe ich fünf Messungen jeweils nach der Arbeit mit Twister (Longe, reiten, Gelände) gemacht. Dabei hatte Twister immer zwei Gamaschen von jedem Hersteller an den Beinen, jeweils eine vorn und eine hinten.

Als Referenz habe ich auch ober- und unterhalb der Gamaschen die „normale“ Temperatur des Beins gemessen und daraus den Mittelwert gebildet, damit ich auch sehen kann, wie hoch die Temperatur ganz ohne Gamasche war. Als Werkzeug kam ein kalibriertes Thermometer zum Einsatz, welches einen Fühler hat, den ich problemlos unter die Gamaschen schieben konnte, ohne diese abnehmen zu müssen.

Zunächst: mit welchem Ergebnis rechne ich?
Dazu habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie diese Gamaschen prinzipiell funktionieren. Es gibt keine aktive Kühlung, wie z.B. bei den ICE Vibes, bei denen ein Kühlpack angebracht wird, welches deutlich kälter ist als die Umgebung. Bei den 2xCool soll laut Hersteller die Wärmeentwicklung durch eingearbeitete Mineralien verzögert werden. Also wird auf jeden Fall Wärme entstehen, jedoch angeblich nicht so viel, wie mit anderen Gamaschen. Als ich die Boots zum ersten Mal in den Händen hielt und sie auf der Innenseite berührte, spürte ich gut, dass sie sich kühler anfühlten, als andere Materialien. Jedoch könnte ich hier keine genaue Gradzahl nennen. Schätzen würde ich etwa 1 bis 2 Grad weniger, als meine Finger.
Spaßeshalber stellte ich die Frage an meine Instagram-Community: Welchen Temperaturunterschied erwartet ihr? Die Antworten reichten von 3 bis 8 Grad. Ebenso ungleich waren die Antworten bezüglich darauf, ob es sinnvoll ist, so teure Gamaschen anzuschaffen, wenn der Unterschied sehr klein ist (also weniger als 1 Grad).

Hier nun die konkreten, durchschnittlichen Ergebnisse der fünf Messungen:

BeschreibungMesswert
ohne Gamaschen20,8°C
vorne StoneDeek35,6°C
vorne 2xCool34,9°C
hinten StoneDeek35,4°C
hinten 2xCool34,6°C
Unterschied vorne0,7°C
Unterschied hinten0,8°C
Gesamtwärmeentwicklung
StoneDeek / 2xCool
14,7°C / 14,0°C
Unterschied
absolut / in Prozent
0,7°C / 4,8%

Mein persönliches Fazit in kurzen Sätzen:

JA, die Gamaschen 2xCool halten, was der Hersteller verspricht (geringere Wärmeentwicklung).
NEIN, aus medizinischer Sicht sind diese Gamaschen bei gesunden Pferden nicht notwendig. Bei Pferden mit vorausgegangenem Sehnenschaden vielleicht aber doch eine Überlegung wert.

Und jetzt für die interessierten Leser etwas ausführlicher 🙂

Wie man aus der Tabelle erkennen kann, entsteht unter den 2xCool 0,7 Grad weniger Temperatur, was weniger als 5% der Gesamtwärmeentwicklung entspricht. Die Erwartungen sind bei den meisten Anwendern deutlich höher, denn aus meiner Sicht ist der Name, der das Wort COOL enthält, reine Effekt-Hascherei. „Cool“ verbindet man doch eher mit Kühlschränken oder einer erfrischenden Dusche und weniger mit Mineralien, die die Wärmeentwicklung verlangsamen. Denn Wärme entsteht trotzdem. Es gibt keine aktive Kühlung mittels Kühlpacks oder zirkulierendem Wasser, welches die Wärme vom Pferdebein weg transportiert. Es ist ein passives System, was rein durch das verwendete Material funktioniert. Und genau deshalb finde ich es schon bemerkenswert, dass man bei diesen Gamaschen trotzdem einen Effekt messen und fühlen kann. Letzteres ist zwar eher subjektiv, aber ich selbst empfand den Unterscheid an Twisters Beinen beim Ausziehen der Boots deutlich spürbar. Wirklich!

Aber ist die Anschaffung der 2xCool wirklich notwendig?

Dazu muss man wissen, wie hoch die Temperaturen unter dem Beinschutz maximal sein dürfen, um die Beine nicht zu schädigen. Leider konnte ich keine echte Studie dazu finden. Nur folgendes:

In Humanstudien wurde festgestellt das Sehnen mit zunehmender Erwärmung an Leistungsfähigkeit verlieren. Geringe Erwärmungen sind durchblutungsfördernd und keinesfalls gefährlich.
Doch zu hohe Temperaturen, vor allem ab 60 Grad, können Gesundheitsschädlich für die Pferdebeine sein. Denn die Eiweißbindungen im Körper fangen bereits ab ca. 42 Grad an zu gerinnen.

https://www.equicrown.de/magazin/so-vermeiden-sie-hitzestau-am-pferdebein/

Ok, ich denke über die 60°C brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Das wäre wirklich krass!
Aber die 42°C sind spannend und gut zu wissen. In meiner kleinen Testreihe konnte dieser Wert überhaupt nicht erreicht werden. Egal an welchem Bein, egal mit welcher Gamasche. Alle Werte lagen sogar unterhalb der normalen Körperkerntemperatur, die zwischen 37°C und 38°C liegen kann. Und das ist ein gutes Zeichen! Denn das bedeutet, dass man gefahrlos auch „normale“ Boots am Pferdebein verwenden kann. Zumindest bei Außentemperaturen bis etwa 15°C. Ich kann an dieser Stelle nicht sagen, ob sich das im Sommer anders darstellen würde. Aber es beruhigt doch ein bisschen mein Gewissen.

Da Twister einen ausgeheilten Sehnenschaden mit sich herum trägt, werde ich die 2xCool dennoch weiterhin bei Bedarf einsetzen. Denn für ihn ist mir jedes Grad weniger gerade recht, um seine Sehnen intakt zu halten 😉

Testbericht Equizaum

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Vor einiger Zeit durfte ich mir von meiner Freundin Isabel einen Equizaum zum Testen ausleihen. Insgesamt 4 verschiedene Funktionen habe ich mit Twister ausprobiert, deren Ergebnis ich euch heute hier mitteilen möchte. Dieser Bericht spiegelt meine ganz persönliche Meinung wieder. Nur weil ich bestimmte Punkte gut oder nicht gut finde, heißt das nicht, dass das grundsätzlich immer der Fall ist. Wenn ihr überlegt, euch einen Equizaum anzuschaffen, solltet ihr ihn am besten selbst ausprobieren.

Vorab-Fazit: ich werde keinen eigenen Equizaum kaufen.

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Allgemeines
(Bewertung: 4 von 5)

Der Zaum war in der Größe „Vollblut“ gefertigt und mit Polstern aus Sympanova inkl. Nasenbogen ausgestattet. Die Passform und Verarbeitung war absolut hervorragend. Im Online-Shop des Herstellers www.equimero.de kann man den Zaum individuell in Farbe und Größe zusammen stellen, sodass es bei der Passform keine grundsätzlichen Probleme geben sollte. Der Preis beginnt bei 159€ und kann je nach Ausstattung und Zubehör bis auf über 350€ hochschnellen. Zur Preispolitik möchte ich mich hier nicht äußern, denn auch wenn die Materialien im Einkauf günstig sein können, sollte man auch die Entwicklungsarbeit, die in einem solchen Produkt steckt, wertschätzen.


Funktion 1 – Reiten mit Gebiss
(Bewertung: 3 von 5)

Hier sehe ich an Twisters Reaktion auf diesen Zaum absolut keinen Unterschied zu anderen Kopfstücken, denn entscheidend ist das Gebiss, das im Maul des Pferdes liegt. Durch die vielen Verstellmöglichkeiten des Equizaums ist es kein Problem, das Gebiss in die richtige Position zu bringen. Jedoch kann es passieren, dass – wenn die Gebissringe zu groß sind – die Ringe am dicken Nasenteil des Zaums bzw. den dort befestigten Sidepull-Ringen hängen bleiben und man nicht mehr weich aufs Pferdemaul einwirken kann. Nicht jedes Gebiss, das gut vom Pferd angenommen wird, gibt es mit unterschiedlich großen Ringen, sodass der häufig gelesene Tipp „Kauf ein Gebiss mit kleineren Ringen“ wenig hilfreich ist.


Funktion 2 – Reiten ohne Gebiss, Sidepull
(Bewertung: 1 von 5)

Twister ist ein Pferd, was sich seit vielen Jahren sehr gut gebisslos reiten lässt. Ob Bosal, Sidepull oder LG-Zaum – nie hatte ich bisher ernsthafte Probleme. Nicht so mit dem Equizaum. Das Nasenteil mit dem Sympanova-Polster ist leider so dick und schwammig, dass Twister kaum Hilfen der Reiterhand zulässt. Er lehnt sich drauf und reagiert kaum. Böse Zungen könnten behaupten, dass er einfach stumpf sei, aber diese These lasse ich nicht gelten. Twister reagiert sehr fein auf Gewichts-, Schenkel und auch Zügelhilfen, wobei letztere am wenigsten zum Einsatz kommen. Dennoch war es mir mit dem Equizaum-Sidepull kaum möglich, mein Pferd ordentlich zu stellen. Im Gelände hat die Bremse so gut wie gar nicht funktioniert, was wirklich gefährlich werden konnte. Deshalb ist diese Funktion für uns leider ungeeignet.


Funktion 3 – Kappzaum, Longieren an einfacher Longe
(Bewertung: 2 von 5)

Hier stellte sich schnell heraus, dass wir dasselbe Problem haben: Twister nimmt die Hilfen über das dicke, schwammige Nasenpolster nicht an. Longieren konnte ich ihn dennoch ganz gut, da ich ihn über die Jahre am Kappzaum auf Stimm- und Körpersignale trainiert habe und wir selten ein Signal über die Longe brauchen. Das Stellen hat jedoch auch hier fast gar nicht geklappt.
Immerhin ist der Zaum durch den eingebauten Nasenbogen auch bei stärkerer Einwirkung meinerseits nicht verrutscht.


Funktion 4 – Longieren mit Doppellonge
(Bewertung: 1 von 5)

Diese Funktion hat mich leider am allermeisten enttäuscht. Ich longiere wirklich gern gebisslos, vor allem weil Twister es einfach super toll macht. Also wollte ich natürlich auch jetzt ohne Gebiss arbeiten. Jedoch musste ich sofort feststellen, dass der Karabiner der Doppellonge (ebenfalls aus dem Hause Equimero) nicht durch die Sidepullringe des Equizaums passt. Auf Nachfrage in der Facebook-Hilfe-Gruppe bekam ich vom Hersteller die Antwort, ich solle einen zusätzlichen, größeren Karabiner am Sidepullring befestigen und die Longe dort durchziehen. Diese Lösung empfinde ich als wenig sinnvoll (für mein Pferd), da das Signal von der Longe noch mehr aufgeweicht wird. So ein Karabiner bringt wieder mehr Bewegung an den Zaum. Andere Gruppen-Mitglieder rieten mir, die Longe von hinten einzufädeln – im Klartext: knapp 8 Meter Longe durchziehen, bis alles richtig sitzt. Puh! Somit würden sich die Handwechsel noch mehr in die Länge ziehen und mein Pferd bräuchte noch mehr Geduld mit mir. Dennoch wollte ich diesen zweiten Vorschlag ausprobieren.
Mit etwas Übung geht das Einfädeln bestimmt gut vonstatten, dennoch hat es mich erstmal etwas genervt. Das Longieren habe ich dann bereits nach wenigen Runden im Schritt und Trab abgebrochen, weil sich noch ein anderes Problem zeigte: die Backenstücke des Equizaums fingen an, herum zu schlackern, wurden also locker. Das führte wiederum dazu, dass das gesamte Genickstück nach hinten rutschte. Ich habe mir Hilfe am Stall dazu geholt von einer Dame, die ebenfalls einen Equizaum besitzt. Sie hat nochmal meine Verschnallung kontrolliert. Nicht zu fest und nicht zu locker. Ich hätte gedacht, dass evtl. das Nasenteil zu locker sitzt und sich somit nach oben verschiebt, wenn Zug auf die Doppellonge kommt. Damit hätten sich die lockeren Backenstücke erklären lassen. Dem war aber nicht so. Die Dame meinte, ich hätte das schon zu fest, sie würde sogar lockerer schnallen. Aber das verstärkte das Problem nur noch mehr.
Somit ist für mich das Longieren an der Doppellonge mit Equizaum nicht möglich.


Fazit
gesamt: 11 von 25

Wie bereits erwähnt, werde ich mir keinen eigenen Equizaum zulegen. Es gibt einfach zu viele wichtige Punkte, die für mich und mein Pferd nicht gut funktionieren.

  • Gebissringe bleiben unter Umständen an Sidepullringen hängen
  • Twister lässt sich über das (für uns zu schwammige) Nasenpolster nicht kontrollieren, stellen oder bremsen
  • Doppellonge vom gleichen Hersteller kann nicht einwandfrei ohne Gebiss an diesem Zaum verwendet werden
  • Arbeit mit der Doppellonge ohne Gebiss führt dazu, dass der Zaum verrutscht

Das ist alles in allem recht ernüchternd, dennoch möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen, dass dieses Testergebnis nicht grundsätzlich für alle Pferde gilt!