Alles schick fürs Hustenpferd?!

Mittlerweile begleitet uns Twisters chronische Lungenerkrankung seit über 6 Jahren und wir haben es aktuell ganz gut im Griff #aufholzklopf
Und genau aus diesem Grund bekomme ich immer häufiger Anfragen, ob ich meine Erfahrungen diesbezüglich teilen könnte. Diese Anfragen kommen sowohl anonym aus dem Internet, als auch von Fremden, die über meinen Bekanntenkreis davon erfahren haben. Es freut mich natürlich sehr, dass meine Kompetenz in dem Punkt offenbar hoch genug eingeschätzt wird, dennoch möchte ich sehr betonen, dass ich keine Fachkraft bin! Ich bin kein Tierarzt, kein Therapeut (in welcher Richtung auch immer), kein professioneller Stallbetreiber oder sonst irgendwie in einem Beruf ausgebildet, der mit Tieren bzw. Pferden zu tun hat. Ich schöpfe einzig und allein aus den Erfahrungen, die ich mit Twister sammeln musste durfte. Deshalb beschreibe ich hier auch ausschließlich die Möglichkeiten, die ich mit Twister umsetze, und ergänze sie mit Kommentaren, soweit mein Wissen reicht. Aber bitte (!) kontaktiert immer zuerst den Tierarzt und/oder Therapeuten eures Vertrauens, wenn ihr professionelle Unterstützung für die Erkrankung eures Pferdes sucht!

Für mich gibt es 5 entscheidende Punkte, die man sehr genau analysieren und bei Bedarf optimieren sollte, sobald das Pferd anfängt zu husten. Jeder einzelne „Huster“ ist zu viel! Auch wenn bei Beginn der Trainingseinheit „nur mal kurz abgehustet“ wird. Pferde sind Beutetiere und immer bestrebt, nicht zu zeigen, wenn es ihnen schlecht geht. Denn dann wäre sofort das nächste Raubtier hinter ihnen her. By the way… das ist auch der Grund, warum es keinen Laut für Schmerzen bei Pferden gibt und man sie als Mensch sehr gut beobachten muss, um Unstimmigkeiten zu bemerken. Sie können das wirklich sehr lange, sehr gut kompensieren, wenn es ein Problem gibt.

Hier nun die Aspekte, auf die ich in diesem Beitrag detailliert eingehen möchte. Ihr könnt sie anklicken, um direkt zum jeweiligen Abschnitt zu springen.
1. Diagnose
2. Haltung
3. Fütterung
4. Inhalation
5. Training

Diagnose

Stellt euch folgende Fragen:
Ist euer Pferd vom Fachpersonal vollständig ausdiagnostiziert? Ich meine also: steht zu 100% fest, was die Ursache für den Husten ist? Sind spezielle Medikamente notwendig? Ist eine bestimmte (Langzeit-)Therapie notwendig? Ist der Husten vorübergehend oder chronisch vorhanden? All diese Dinge kann nur der Tierarzt/Therapeut beantworten.

In Twisters Fall spreche ich von chronischem Equinen Asthma, welches durch das geschädigte Lungengewebe verursacht wird. Diese dauerhafte Schädigung entstand durch mehrere starke und langanhaltende Infekte, die er sich durch Keime zugezogen hat, die sein Immunsystem nicht abwehren konnte. Somit ist Twisters Grundproblem das schwache Immunsystem. Hier nochmal etwas genauer: klick

Es gibt natürlich noch sehr viele andere Ursachen. Allergien, Staubempfindlichkeiten, Stress etc. Dem gilt es auf den Grund zu gehen.

Haltung

Stellt euch folgende Fragen:
Wie wohnt euer Pferd? Steht es dauerhaft in einer Box? Steht es stundenweise in einer Box? Oder im Offenstall? Oder im Paddocktrail? Welche Einstreu wird benutzt? Wieviel natürliche Bewegung darf euer Pferd ausleben? In welchem Ausmaß kann es seinen natürlichen Bedürfnissen nachgehen? Ist es in eine Herde integriert?

Hier unterscheide ich zwischen physischen und psychischen Faktoren, die sich auf die Gesundheit des Pferdes auswirken. Physisch ist natürlich die Luftqualität und die Art der Einstreu entscheidend für den Einfluss auf die Lunge. Ich denke, es kann sich jeder leicht vorstellen, dass die Luft in einer Innenbox ohne Fenster deutlich schlechter ist, als draußen im Offenstall. Und herkömmliches Stroh hat einen deutlich größeren Staubanteil, als beispielsweise Späne oder Holzpellets. Das große Ziel beim Hustenpferd sollte immer sein, die Umgebung möglichst gut belüftet und staubarm zu gestalten. StaubFREI wird es wohl nie sein. Psychische Faktoren, die das Bewegungs- und Herdentier „Pferd“ einschränken und missmutig werden lassen, können sich natürlich auch negativ niederschlagen (zu wenige freie Bewegungsmöglichkeiten, zu wenig Sozialkontakte, zu stressige Sozialkontakte etc.).

Twister stand in seinem ganzen Leben noch nie in einer Box (mal von ein paar frühen Krankheitstagen abgesehen, die nichts mit der Lunge zu tun hatten). Er lebt schon immer im Offenstall und ist in eine Gruppe mit anderen Pferden integriert. Zu der Zeit, als die Lungenempfindlichkeit zunahm, wechselte ich in einen Stall mit passender Einstreu und Raufuttergabe (zur Fütterung sage ich mehr im nächsten Abschnitt). Heute lebt er in einer privaten Haltergemeinschaft im Offenstall zusammen mit zwei anderen Wallachen, mit denen er sich sehr gut versteht. Im Sommer hat er 24/7 Zugang zur Weide. Im Winter gibt es einen sehr großen Schwarzpaddock, wo die Vierbeiner auch mal aufdrehen können. Natürlich existiert auch ein Unterstand, der vor Wetter Schutz bietet und in dem alle Pferde genügend Platz finden, um sich auch mal hinzulegen bzw. sich nicht gegenseitig bedrängen zu müssen. Dieser ist mit einer Mischung aus Spänen und Holzpellets eingestreut, auf welcher sich Twister sogar zum Schlafen hinlegt, ohne dass der Hustenreiz ausgelöst wird.

Ein guter Stall, der für Hustenpferde geeignet ist und auch noch dem Pferdebesitzer in puncto Ausstattung und Preis gefällt, ist leider sehr schwer zu finden. Meistens müssen Kompromisse eingegangen werden, weil viele Stallbetreiber den Aufwand scheuen, ein Hustenpferd gut zu versorgen. Oft ist das auch mit erheblichen Kosten verbunden. Daher ist es wohl einfacher, sich nach kleinen Ställen umzusehen, in denen das Management schneller umgestellt werden kann oder bereits alles entsprechend hergerichtet ist. Letzteres kommt mittlerweile öfter vor, als man meint, weil die Lungenproblematik bei Pferden immer mehr Tiere betrifft.

Fütterung

Stellt euch folgende Fragen:
Wie ist die Qualität des Raufutters? Ist es trocken, bewässert oder bedampft? Oder wird Heulage gefüttert? Bekommen eure Pferde genügend Raufutter? Welches Zusatzfutter bekommen eure Pferde? Wieviel Zusatzfutter bekommen eure Pferde? Welche Bestandteile sind darin enthalten? Sind alle Bestandteile wirklich für Pferde geeignet? Könnte etwas weg gelassen werden?

Aus diesen Fragen ergeben sich die meisten Antworten von selbst: Raufutter sollte in ausreichender Menge und beim Hustenpferd möglichst staubarm vorhanden sein. Ob man Heu verwendet, welches vom Landwirt vorgewaschen und wieder getrocknet wurde, oder ob man es selbst wässert oder bedampft, ist jedem selbst überlassen. Heulage wäre für den ein oder anderen vielleicht auch eine Option. Jedoch möchte ich das hier nicht vertiefen, denn über Heulage streiten sich die Geister. Wer genau wissen möchte, wie die Qualität des Raufutters beschaffen ist, dem empfehle ich eine Analyse im Labor (z.B. hier*). Denn nicht nur der Staubanteil, sondern noch mehr die vorhandenen Sporen und Keime sind entscheidend, wie verträglich das Futtermittel ist.

Beim Zusatzfutter werden die Möglichkeiten nahezu unendlich, was Zusammensetzung und Mengenangaben betrifft. Hier lege ich euch eine professionelle Futterberatung ans Herz, die mir 2018 die Augen geöffnet hat (z.B. hier*). Man muss verstehen, dass es Bestandteile in vielen Futtern gibt, die nichts im Pferd zu suchen haben und die wahrscheinlich das Hustenpferd eher schwächen als stärken. Auch ist es wenig sinnvoll, eine Futtermischung z erstellen, die aus 27 verschiedenen Mittelchen bestehen, die aufs Gramm genau abgewogen werden. Ich habe mal irgendwo gelesen – aber leider die Quelle vergessen – dass der Pferdekörper maximal fünf Stoffe gleichzeitig aufnehmen und verarbeiten kann. Diese müssen aber auch aufeinander abgestimmt sein und dürfen sich nicht, wie z.B. auch manche Medikamente, gegenseitig beeinflussen. Dann kann man die Wirkung nicht mehr kontrollieren. Beispiel: MSM kann nicht zusammen mit jedem Mineralfutter ins Pferd gekippt werden, da dann der Kupferhaushalt durcheinander kommt.

In Twisters jetzigem Stall habe ich das Glück, dass Heu aus eigener, kontrollierter Ernte verfüttert wird. Das stammt von genau den Wiesen, auf den die Pferde im Sommer weiden. Es wird penibel auf unverträgliche Pflanzen, den Erntezeitpunkt, den Feuchtegrad und die Lagerung geachtet. Einziger Nachteil: da unter den Wiesen Maulwürfe wohnen, landet auch so mancher Maulwurfshügel mit in den Heuballen, der Dreck und Staub mit rein bringt. Dem wirken wir mit der Wässerung des Heus entgegen. Zum Glück reicht eine leichte Bewässerung mittels einer großen Gießkanne aus, um den Staub einzudämmen. Eine stärkere Wässerung mittels Eintauchen ist nicht notwendig. Das Heu wird aus großen Netzen gefüttert, die ein bis zwei Mal am Tag neu befüllt werden. Länger sollte man das nasse Heu sowieso nicht zur Verfügung stellen, da sich sonst durch Gärprozesse Keime zu stark ausbreiten. Es gibt immer ein Heunetz mehr, als Pferde da sind, damit sich alle aus dem Weg gehen können und niemand hungern muss, weil er von einem anderen Pferd verscheucht wird.
Beim Zusatzfutter kann ich die Produkte von Agrobs* ausnahmslos empfehlen 👍 Da braucht man keine Bedenken haben, unnötige Bestandteile zu verfüttern. Einzig das Mineralfutter bekommt Twister von Lexa*, da ich hier das Preis-Leistungs-Verhältnis besser finde. Fürs Immunsystem bekommt Twister ganzjährig Gladiator* zugefüttert, im Winter auch gemahlene Hagebutten wegen des hohen Vitamin-C-Gehalts.

Inhalation

Jeder Besitzer eines Hustenpferdes wird früher oder später vom Fachpersonal auf das Thema Inhalation angesprochen. Mittlerweile gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Therapieform mit seinem Pferd durchzuführen. Die Spanne reicht von mobilen Geräten, über umgebaute Pferdeanhänger bis hin zu fest im Stall verbauten Boxen, in denen Pferde „bedampft“ werden können. Welche Umgebung für euer Pferd am besten geeignet ist, müsst ihr selbst heraus finden. Aus meiner Sicht, hat ein mobiles Gerät den Vorteil, dass die Aerosole nahezu verlustfrei in die Lunge geleitet werden und man deshalb sparsam damit umgehen kann. In Pferdeanhängern und Boxen wird das Pferd am ganzen Körper behandelt, was einerseits bei Hautproblemen (z.B. Ekzem) helfen kann, andererseits aber auch sehr viel mehr zu vernebelnde Flüssigkeit benötigt, weil der Raum viel größer ist. Außerdem spielt auch das Gemüt der Pferde eine Rolle. Manche Pferde bekommen Angst, wenn eines ihrer wichtigsten Sinnesorgane mit einem Gerät verschlossen wird. Andere Pferde mögen nicht so gern „sinnlos“ in einem Pferdeanhänger eingesperrt sein. Hier gilt die Devise: probieren geht über studieren!

Mit Twister darf ich seit Februar 2018 das Inhalationsset für Pferde SaHoMa-II von der Firma Nebu-Tec** verwenden. Dies ist ein mobiles Gerät, was dem Pferd direkt am Kopf angebracht wird. Es wird ohne Kabel oder Schläuche betrieben, was besonders in Ställen ohne Stromanschluss von Vorteil ist. Twister hat zum Glück kein Problem, diese leichte Inhalationsmaske zu tragen. Alternativ hatte ich getestet, ob die Inhalation in einem Pferdeanhänger für ihn besser wäre, musste das aber sehr schnell verwerfen, da Twister vor lauter Unmut den Hänger fast zum Umstürzen brachte. Offenbar muss sich so ein Gefährt aus seiner Sicht immer bewegen, damit er entspannt bleibt (so meine Erfahrung). Diese Erkenntnis kam mir sehr entgegen, denn das mobile Gerät ist für mich deutlich praktikabler und kostengünstiger.

Nachfolgend möchte ich auf die mir meist gestellten Fragen zum Thema Inhalation eingehen:

Wie oft inhalierst du mit Twister?
Wenn es Twister gut geht und er keine akuten Beschwerden (Husten, Bauchatmung, Schleim etc.) hat, dann inhaliert er mindestens 4x pro Woche zur Vorbeugung mit Kochsalzlösung. Laut Aussage meines Tierarztes stärkt das ebenfalls das Immunsystem (zusätzlich zum Immun-Futter). Wenn Twister mit einem Infekt zu kämpfen hat, inhaliert er 1x täglich.

Welche Flüssigkeit lässt du Twister inhalieren?
Wie bereits erwähnt, bekommt er in erster Linie Kochsalzlösung. Wenn er länger Symptome zeigt und dicker, gelber Schleim aus der Nase fließt, dann bekommt er Meeressole, die mit einem höheren Mineralgehalt versetzt ist. Sole wird nicht vernebelt, wenn kein (dicker, gelber) Schleim vorhanden ist, um das Lungengewebe nicht zu überanstrengen.

Wieviel Flüssigkeit lässt du Twister inhalieren?
Twister bekommt maximal 1x täglich 15 ml verabreicht. Es hat sich gezeigt, dass das völlig ausreichend ist. Außerdem hat mich eine Bemerkung meines Tierarztes vorsichtig werden lassen: „Die Flüssigkeit, die ein Pferd inhaliert, muss ja auch wieder raus. Wenn man zu viel Aerosole ins Pferd bringt und diese nicht vernünftig wieder ausleitet, könnte es zu Wassereinlagerungen im Lungengewebe kommen.“
Seitdem habe ich beschlossen, nicht mehr als 15 ml zu vernebeln, und Twister anschließend auf jeden Fall zu bewegen.

Wird Twister beim Inhalieren bewegt?
Nein. Twister inhaliert ausschließlich im Stehen am Anbinder, während ich ihn putze und evtl. sattle. Erst wenn der Inhalationsvorgang abgeschlossen ist, arbeite ich mit ihm.
Mit dem SaHoMa-II** wäre es grundsätzlich gut möglich, Twister zum Beispiel an der Longe laufen zu lassen, während er inhaliert. Im Schritt ist das sicher auch noch nicht so problematisch. Jedoch im Trab oder gar im Galopp atmet jedes Pferd logischerweise tiefer und mit mehr Anstrengung. Damit werden die Aerosol-Partikel auf ein Vielfaches beschleunigt, was dazu führen kann, dass Lungengewebe geschädigt wird. Außerdem ist es noch schwieriger, die Flüssigkeit wieder nach draußen zu leiten, je tiefer sie in die Lunge gelangt ist. Die Inhalation dient nur der Befeuchtung der oberen Atemwege.

Was machst du nach dem Inhalationsvorgang?
Wenn die 15 ml komplett vernebelt wurden und Twister einen Großteil davon in die Lunge aufgenommen hat, arbeite ich ihn. Das kann lockeres Longieren, anstrengendes Reittraining oder auch ein gemütlicher Geländeritt sein. Je nachdem, in welcher Verfassung wir beide sind. Wenn ich mal nicht viel Zeit habe, reichen 15 Minuten im Schritt und Trab an der Longe aus. Wichtig ist, dass Twisters Kreislauf und somit das Herz angeregt wird, den Körper richtig zu durchbluten. Auch Muskelaktivitäten sind wichtig, damit die Lunge „durchgepumpt“ wird. Da ich keine Fachfrau bin, tue ich mich an dieser Stelle mit den korrekten Bezeichnungen etwas schwer. Bitte entschuldigt das. Hoffentlich drücke ich mich dennoch verständlich aus.
Ganz wichtig noch: nach dem Training (in welcher Form auch immer) bekommt Twister etwas zu fressen aus einer Schüssel, die am Boden steht. Es hat sich heraus gestellt, dass in dem Moment, wo er den Kopf senkt und die Kaumuskeln anstrengt, die meiste Flüssigkeit aus den Nüstern austritt (auch Schleim, falls vorhanden!).

Wie hoch sind die laufenden Kosten für dein Gerät (Sahoma-II) ?
Die Antwort auf diese Frage hängt sehr stark davon ab, wie es Twister geht und welche Maßnahmen erforderlich sind. Deshalb beschreibe ich hier den Idealfall, wenn es ihm sehr gut geht, er symptomfrei ist und wir keinen Tierarzt brauchen – dann inhaliert Twister etwa 5x pro Woche 15 ml Kochsalzlösung.
Es gibt insgesamt vier Verbrauchsmaterialien, die Kosten verursachen. Ich werde hier eine geschätzte Jahresaufstellung zeigen.
Kochsalzlösung: etwa 4 Liter ~ 28,-€
Filtermembran: je nach Verschmutzungsgrad ~ 50,-€
Vernebler: nach meiner Erfahrung ~ 90,-€
destilliertes Wasser (zur Reinigung): ~ 2,-€
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Jahreskosten für Twister im symptomfreien Zustand:
ca. 170,-€ ( = monatlich weniger als 15,-€)
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Wenn Meeressole bzw. Medikamente vernebelt werden müssen, erhöhen sich vor allem die Kosten für den Vernebler, da dieser dann schneller kaputt geht. Filtermembrane sollten dann auch öfter gewechselt werden. Die Kosten für Sole und Medikamente kommen natürlich auch noch dazu.

Training

Zunächst: Sollte ein Hustenpferd überhaupt trainiert werden, besonders im akuten Zustand?
Meine Antwort: Ja! Sofern es nicht überlastet wird.

Mit „akutem Zustand“ meine ich, wenn euer Pferd schwere Symptome wie festen Schleim oder Bauchatmung zeigt. Mit „Überlastung“ meine ich, dass man das Training auf jeden Fall dem aktuellen Zustand anpassen muss. Von einem Pferd, welches so starke Bauchatmung hat, dass es sich von selbst kaum mehr bewegen kann, kann man natürlich keine sportlichen Höchstleistungen fordern. Ruckzuck würde der Kreislauf zusammen brechen und alles noch verschlimmern. Nicht besser würde die Situation auch bei einem Pferd, welches Medikamente bekommt, die feste Schleimansammlungen so stark verflüssigen, dass bei zu tiefer Atmung der Schleim erst noch tiefer in die Lunge gelangt. Also auch hier: unbedingt Rücksprache mit dem Fachpersonal halten, was dem Pferd zugemutet werden kann!

Aus meiner Sicht ist es nicht gut, ein Hustenpferd komplett stehen zu lassen. Was an Bewegung möglich ist, sollte auch gefordert und gefördert werden. Warum das in Bezug auf die Inhalation so wichtig ist, erkläre ich im vorherigen Abschnitt.

In Twisters Fall hatten wir leider mit einer der schlimmsten Nachwirkungen von zu viel dauerhaftem Husten zu kämpfen: er bekam einen Sehnenschaden. Wie das anatomisch miteinander zusammen hängt, erkläre ich in diesem Video, daher möchte ich hier nicht nochmal detailliert darauf eingehen. Ich hatte insofern „Glück im Unglück“, dass ich zu diesem Zeitpunkt die Infekte schon halbwegs unter Kontrolle hatte und Twister während der Pause durch den Sehnenschaden nicht arbeiten musste. Denn das hätte er auch nicht gekonnt, um sein Bein nicht zu überlasten. Insgesamt hatte er nach der Diagnose 7 Monate komplett Pause und nochmal 7 Monate, in denen ich ihn mittels Spaziergängen und langsam wachsender Bodenarbeit wieder aufs Reiten vorbereitete. Heute ist er wieder voll belastbar und sogar turnierfähig. Sofern ich aufs korrekte Training achte!

Welche Übungen sind nun am besten geeignet, um ein Hustenpferd fit zu halten? Im Prinzip dieselben, wie auch für jedes andere Pferd 😉 Das konkrete Ziel heißt erstens Anheben des Rumpfes und zweitens Stärkung der Hinterhand. Das geht auch im Schritt an der Hand. Einige Übungen habe ich bereits hier beschrieben. Außerdem kann ich euch die Trainingskonzepte von Jana Tumovec* und den Oliveira Stables* sehr ans Herz legen.


Wenn ihr weitere Fragen zu der ganzen Thematik habt, kontaktiert mich gerne per Mail oder Instagram!


* unbezahlte Werbung
** bezahlte Kooperation

Das tragfähige Pferd

Die meisten guten Seminare, Vorträge, Bücher oder Kurse beginnen mit den Worten: „Das Pferd ist anatomisch nicht dafür gemacht, einen Reiter zu tragen.“
Dennoch möchten wir unsere Schätzchen aber sehr gerne reiten, uns den Wind um die Ohren peitschen lassen und das Gefühl gemeinsamer Freiheit genießen. Wie schaffen wir es also, den geliebten Vierbeiner nicht zu sehr mit uns zu belasten? Antwort: durch korrektes Training! … ok, das ist keine neue oder besonders tiefschürfende Erkenntnis. Aber was genau ist korrektes Training, um das Pferd tragfähig zu machen bzw. zu erhalten? Im folgenden Beitrag möchte ich meine persönlichen Erfahrungen und Lieblingsübungen beschreiben, die Twister nach seinen schweren Infekten und dem Sehnenschaden helfen, mich irgendwann wieder auf seinem Rücken (er-)tragen zu können.

Das Hauptziel ist, die tragenden Muskelgruppen des Pferderumpfes zu stärken und somit den den Rumpf nach oben zu arbeiten, damit die Muskeln bei Belastung (= Reitergewicht) das Gewicht abfedern können und nicht die ganze Wucht in die Beine (= Sehnen und Gelenke des Pferdes) geht. Den Pferderumpf bekommt man am besten nach oben, indem das zusammenhängende System von Brust-, Bauch- und Hinterhandmuskeln gestärkt wird. Letztere sollten auch genügend dehnbar sein, damit das Pferd einerseits gut unter seinen eigenen Schwerpunkt treten kann und andererseits die Rückenmuskulatur mit angehoben wird. Alle Übungen, die ich in diesem Artikel vorstelle, aktivieren, dehnen und/oder stärken eine oder mehrere der genannten Muskelgruppen.

Ich nutze in erster Linie die Bodenarbeit an der Longe und Doppellonge, um meinem Buben wieder fit zu bekommen. Daher zunächst ein paar Worte zum Equipment.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man von Anfang an nur mit guter Ausrüstung auch gute Ergebnisse erzielen kann. Denn schlecht sitzende Kopfstücke oder Longiergurte verursachen schnell Stress, Verspannungen, Schmerzen und vor allem Frust beim Pferd. Wenn ich also beispielsweise denken würde „Ich nehme erstmal den billigen (= meist unpassenden) Longiergurt und schaue, wie es so läuft…“, dann hätte ich zwar Geld gespart, aber meinem Pferd nicht geholfen. Das Ergebnis wäre wahrscheinlich, dass ich von der ganzen Methodik nicht überzeugt bin und alles hinschmeiße, weil ich meine Ziele nicht erreiche. Gutes Equipment ist wichtig! Eine Auflistung meiner derzeitigen Ausrüstung für diese Arbeit mit dem Pferd findet ihr am Ende des Beitrages.

Übungen ohne besonderes Equipment

Reflex der Bauchmuskeln auslösen

Jeder Pferdebesitzer, der schon mal einen Osteopathen oder ähnliches an seinem Pferd hatte, kennt diesen Reflex. Man streicht in der Mitte des Bauches mit einem kleinen harten Gegenstand vorsichtig von hinten nach vorne entlang, bis das Pferd den Rücken aufwölbt. Ein netter Nebeneffekt ist, dass man sofort sehen kann, wie weit die Aufwölbung dem Pferd überhaupt möglich ist. Wie bei allen Dehnübungen sollte auch hier die Muskulatur bereits aufgewärmt sein. Ich mache das manchmal mehrfach am Tag, denn es ist eine extrem kurze Anwendung.

Bergziege

Um die Hinterhandmuskulatur (auch Hosenmuskulatur genannt) zu aktivieren und zu dehnen, muss das Pferd mit den Hinterhufen verhältnismäßig weit unter den Schwerpunkt treten. Im Stehen geht das am besten mit der Übung „Bergziege“, die mein Pferd jedoch noch nicht besonders gut beherrscht, weil es seine Muskeln schlicht nicht hergeben. Wir tasten uns nach und nach heran.

„Trippel Trappel“

Für diese Übung habe ich keinen offiziellen Namen gefunden, daher nenne ich sie „Trippel Trappel“. Das Pferd wird wenige Schritte geführt, dann angehalten und durch Touchieren dazu aufgefordert, das innere Hinterbein deutlich unter den Bauch zu ziehen. Dann geht es wieder einige Schritte normal vorwärts, um im Anschluss wieder das Bein anzuziehen. Wenn das gut klappt, kann die Übung fließender gestaltet werden, indem das Pferd aufgefordert wird, das Bein während der Vorwärts-Bewegung unter den Bauch zu ziehen und somit noch weiter vorn abzufußen. Allerdings sollte das Pferd nicht überfordert und das Anziehen des Beins nicht bei jedem Schritt verlangt werden. Ich gebe Twister immer drei bis vier Schritte „Pause“. Natürlich trainiere ich das auf beiden Seiten gleichmäßig.

Übungen am Kappzaum mit einfacher Longe

Warum überhaupt ein Kappzaum?

Wenn ich mein Pferd vernünftig in Stellung und Biegung longieren möchte, komme ich um einen Kappzaum nicht herum. Voraussetzung ist immer, dass der Zaum dem Pferd gut passt, keine Druckstellen erzeugt und nicht verrutscht. Durch die Befestigung der Longe oben auf der Nase, ist es für das Pferd schwieriger, sich im Genick zu verwerfen. Wenn ich eine Parade gebe, stellt es sich leichter in die richtige Position. Wenn ich im Gegensatz dazu ein Kopfstück wähle, an dem die Longe unten befestigt ist, ist das Verwerfen vorprogrammiert. Am besten erkennt man das in dieser Zeichnung:

Führen in Stellung

Gelernt habe ich das vor einigen Jahren bei Babette Teschen und ihrem Longenkurs, den ich live mit Twister besucht habe. Man steht zunächst seitlich neben dem Pferd auf Kopfhöhe. Eine Hand fasst am Kappzaum mittig direkt am Pferd an, die andere legt man hinter die Ohren seitlich an den Hals (etwa 3. Halswirbel). Die Hand am Zaum führt den Pferdekopf leicht nach innen, die andere Hand hält dagegen, sodass das Pferd eine korrekte Stellung zeigt. Wenn das Pferd diese Position im Stehen ruhig halten kann, geht man gemeinsam los. Das Pferd wird aufgefordert, die Stellung weiterhin zu halten, bis der Mensch nachgibt und das Pferd sich somit auch entspannen kann.

langsames Übertreten

Das Übertreten ist die erste Übung in Richtung Seitengänge. Dabei wird das Pferd aufgefordert, das innere Hinterbein mehr zur Körpermitte hin abzufußen (also nicht nur nach vorn). Erreichen kann man dies, indem man von hinten Energie ins Pferd bringt, es jedoch gleichzeitig an der Vorhand ausbremst, sodass als einzige Option das seitliche Ausweichen übrig bleibt. Wichtig ist, dass die Schritte langsam erfolgen und nicht eilig mit Schwung. Nur wenn das Pferd langsam die Muskeln an- und abspannt, werden sie gut beansprucht. Vorsicht, diese Übung kann schnell sehr anstrengend werden!
Wenn das Pferd das Übertreten im Schritt gut beherrscht, kann das auch im Trab abverlangt werden. Das innere Hinterbein wird dann vielleicht nicht unter die Körpermitte treten, aber dennoch sehr viel aktiver (übrigens auch unterm Reiter).

Tempiwechsel innerhalb der Gangart

Jedes Pferd hat in jeder Gangart sein individuelles Wohlfühltempo. Darüber hinaus kann es sowohl etwas langsamer als auch etwas schneller gearbeitet werden, sodass in jeder Gangart drei Tempi möglich sind. Wenn man es schafft, diese drei Geschwindigkeiten taktrein (!) gezielt abzufordern, ist das für das Pferd recht anstrengend und fördert die Muskelaktivität.

Übungen an der Doppellonge

Da Twister bereits seit Jahren sehr gut an der einfachen Longe läuft, traue ich uns die Arbeit an der Doppellonge zu. Dabei stehen wir allerdings noch ziemlich am Anfang.

Verschnallung

Abhängig von der Hand, auf der ich das Pferd arbeiten möchte führe ich die äußere Longe von hinten durch den untersten Ring am Longiergurt nach vorne zum Kopfstück. Die Longe selbst verläuft über den Rücken des Pferdes zu mir. Wenn eine Schabracke verwendet wird, ist der Reiz auf dem Pferderücken weniger stark, was besonders bei empfindlichen Pferden ratsam ist. Die innere Longe hingegen führe ich von vorne durch den Ring am Kopfstück (egal ob Sidepull-Ring oder Gebiss-Ring) nach hinten in den obersten Ring am Longiergurt. Die Longe selbst läuft dadurch gleitend durch den Ring am Kopfstück zu mir. Es entsteht – von oben betrachtet – ein Dreieck zwischen mir und dem Pferd.

Warum führe ich nicht beide Longen von hinten durch den Longiergurt nach vorne zum Kopfstück? Das würde zwar den Handwechsel deutlich erleichtern, weil man die Longen nicht umschnallen muss, jedoch kann ich mit der inneren Longe nicht so weich einwirken, wie mit der gleitenden Dreiecksverschnallung. Außerdem muss ich mich mit beiden Longen auf dieselbe Höhe am Longiergurt einigen, was mir weniger weiche Einwirkungsmöglichkeiten gibt.

Warum führe ich die äußere Longe nicht um die Hinterhand herum? Zum einen würde mein Pferd bei jedem Schritt durch die vor-zurück-Bewegung des äußeren Hinterbeins eine Parade am Kopfstück bekommen, was ich nicht kontrollieren kann. Zum anderen überzeugt mich die Aussage von Horst Becker, dass ich auf diese Art nicht den äußeren (Reiter-)Schenkel simulieren kann. Wenn die äußere Longe über den Rücken nach unten am Gurt entlang geführt wird, ist das genau die Position, an der der Schenkel des Reiters liegen sollte. Wenn ich hier die Longe annehme, kommt zuerst Druck auf diesen Bereich (Longe an der Seite des Pferdebauches), bevor das Signal am Kopf des Pferdes ankommt.

Warum führe ich die innere Longe nach oben an den Longiergurt? Weil das am ehesten der Hand des Reiters entspricht und so auch weniger Druck auf den Unterkiefer des Pferdes ausgeübt wird.

große Bögen im eigenen Tempo traben

Man glaubt es kaum, aber das Pferd in großen Bögen oder Geraden mit gutem Spannungsbogen in seinem eigenen Tempo traben zu lassen, aktiviert und stärkt ebenfalls wichtige Muskelgruppen! Insbesondere der Musculus serratus wird dabei angesprochen. In dieser schematischen Darstellung kann man sehr gut sehen, wie er dafür sorgt, dass der Rumpf des Pferdes angehoben wird. Der Muskel existiert beidseitig am Pferd und verläuft zwischen Schulterblatt und Rippenbogen. Daher ist es nicht ratsam, das Pferd zu stark zu biegen, da sonst dieser Muskel auf einer Seite zwischen den Knochen eingeklemmt wird und nicht mehr richtig arbeiten kann.

Galopp

Im Galopp muss das Pferd bei jedem Sprung die Bauchmuskeln an- und abspannen, was einen tollen Trainingserfolg nach sich zieht. Am stärksten ist dieser Effekt beim Angalopp, also können gerne öfter Übergänge gearbeitet werden. Jedoch gibt es auch hier eine Kleinigkeit zu beachten: der Galopp ist die einzige Gangart, in der das Pferd nicht unabhängig von der Fußfolge atmen kann. Jeder Galoppsprung entspricht einem Atemzug. Ein untrainiertes Pferd wird also schneller galoppieren, um somit mehr Sauerstoff in seinen Körper zu pumpen. Erst wenn es stark genug ist, kann es langsamer laufen und mit weniger Atemzügen auskommen. Mein Twister kann derzeit nur sehr wenig im Galopp gearbeitet werden, da seine Muskulatur insgesamt noch zu schwach ist und er Gefahr läuft, wieder einen Sehnenschaden (oder ähnliche Beinverletzungen) zu bekommen.

Tempiwechsel innerhalb der Gangart

Diese Übung kann sowohl an der einfachen Longe, als auch an der Doppellonge trainiert werden (genaueres siehe oben).

Schaukeln

Das Schaukeln kann in allen Gangarten gefordert werden, wobei man bei untrainierten Pferden am besten im Schritt anfangen sollte. Zunächst schickt man seinen Vierbeiner vorwärts, pariert dann sanft zum Halt durch, schickt das Pferd ins Rückwärts und schlussendlich – der entscheidende Punkt! – aus dem Rückwärts bestenfalls ohne Halt direkt wieder vorwärts. Durch die Rückwärts-Bewegung ist das Pferd in der Kruppe bereits abgesenkt und der Rücken sollte leicht aufgewölbt sein. Aus dieser Haltung heraus das Vorwärts zu verlangen, erfordert sehr gute Muskelkoordination. Fortgeschrittenere Pferde können aus dem Rückwärts direkt antraben, die Spezialisten auch galoppieren.

Trabstangen

Mit Stangen oder Schaumstoffbalken (letztere meist in blau und gelb erhältlich) fördert man vor allem die Koordination. Das Pferd sollte beim Darüberlaufen die Abstände einschätzen und sauber treten lernen, ohne die Materialien zu berühren. Dabei kann man gerne die Stangenabstände variabel gestalten, sobald das Pferd mit gleichmäßigen Abständen gut zurecht kommt. Dann wird es noch ein bisschen schwieriger.

Meine Ausrüstung

*unbezahlte Werbung*

Kappzaum – spanische Serreta von El Mosquero mit flachem Naseneisen und einem einzelnen Ring

Sidepull von Schutz Brothers
Alternativ könnt ihr auch einen Kappzaum mit seitlichen Ringen oder eine Trense mit Gebiss für die Doppellongenarbeit nutzen. Beim Gebiss unbedingt auf seitliche Anlehnung achten, also eine Schenkeltrense oder ein D-Ring-Gebiss verwenden.

Equilonge von Equimero

Doppellonge Pro Balance 2.0 von Equimero

Longiergurt von Passier (Design by Horst Becker)

Dressurgerte 1,10 m

Longierpeitsche 1,80 m

Handschuhe

Trainer, die mir bisher geholfen haben

Dr. Kristina Gerber

Jana Tumovec

Horst Becker